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Nähcamp der Jugendherbergen

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Taschen, T-Shirts, Tücher: Selbermachen liegt im Trend. Millionen Menschen in Deutschland nähen Kleidung mittlerweile lieber selbst – und entdecken das traditionelle Handwerk als neues Hobby für sich.

Nur: Alleine an der Nähmaschine zu sitzen macht längst nicht so viel Spaß, wie in Gemeinschaft zu nähen. Von früh morgens bis tief in die Nacht, bei einem Becher Kaffee vielleicht mit kleinen Snacks zwischen Nadelkissen und Stoffzuschnitt. Und genau das passiert bei den Nähcamps in den Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland. Hier heißt es: Raus aus dem Alltag, ran an den Stoff.

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Ob in Neuharlingersiel, Hagen, Jever oder Petershagen: In wechselnden Jugendherbergen treffen sich Frauen aus ganz Deutschland, um gemeinsam zu nähen, Neues zu probieren, sich auszutauschen.

Für viele der Teilnehmerinnen ist es eine der wenigen Auszeiten ohne Kinder und andere Verpflichtungen im Jahr. Nicht einmal um das Essen müssen sie sich – dank Vollverpflegung – Gedanken machen. Hier können sie nach Strich und Faden entspannen und dabei viele andere Frauen kennen lernen.

Andere kommen gleich mit der ganzen Familie angereist. Und während sie selbst in Gesellschaft nähen, erkunden der Partner und die Kleinen das Gelände der Jugendherberge, nutzen die vielfältigen Angebote vor Ort oder erleben Spannendes in der Region.

Ein Event, bei dem nicht nur textile Schmuckstücke entstehen – sondern auch echte Freundschaften.

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Ins Nähcamp mit der ganzen Familie

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Caro Lindemann hat zum Nähcamp in Petershagen den weitesten Weg zurückgelegt. Ganz aus dem Allgäu ist sie gekommen. Aber nicht alleine: Im Wohnwagen hat sie ihre Familie mitgebracht. Ihre Kinder spielen draußen auf der Wiese hinter der Jugendherberge, ihr Mann schaut ab und zu mal bei ihr vorbei.

Was ihr außerdem gefällt: Einige der Frauen, die sie über die sozialen Medien bereits kannte, lernt sie jetzt auch mal ganz persönlich kennen.

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Caro Lindemann

Dem Allgäu verbunden.
weissblaumitzuckerguss.blogspot.de

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„Ich finde es großartig, mit der Familie unterwegs sein zu können, und trotzdem auch mal Zeit für mich zu haben.“

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Virtuelle Freundschaften sind in der Szene keine Seltenheit: Online wächst seit einigen Jahren eine große Näh-Community heran, die sich Tipps gibt und Schnittmuster teilt. Ist ein Kleidungsstück fertig genäht, wird es fotografiert und anschließend mit allen geteilt.

Wer einen Blick in die Community wirft, sieht schnell: Nähen findet längst nicht mehr auf Omas Küchentisch oder in irgendwelchen Hinterzimmern statt. Nähen erfüllt nicht mehr nur einen Zweck, sondern ist vielmehr ein Lifestyle geworden.

Eine der Frauen, die das Ganze maßgeblich in Gang gebracht hat, ist Nina Verhoeven. Mehr als 12.000 Menschen folgen ihrem Instagram-Account, Tausende Klicks zählt ihre Website hedinaeht.de im Monat. Wenn sie neue Schnitte designed, tragen sie ein paar Monate später Hunderte Frauen in ganz Deutschland.

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Nina Verhoeven hat die Idee 2016 zum Nähcamp auf einem Blogger-Event gemeinsam mit dem Team der Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland entwickelt. Seit einigen Jahren ist sie eine echte Größe in der Näh-Szene. Dabei hatte die PR-Beraterin vor sechs Jahren noch nichts mit Nadel und Faden zu tun.

Als ihre Zwillinge zwei Jahre alt sind, entschied sie sich dazu, einen Nähkurs zu besuchen, um für die Kinder einmal selbst Klamotten zu fertigen. „Zwei Tage später habe ich mir eine Maschine gekauft und in den Tagen darauf mehr als 100 Teile im Akkord genäht.“ Aber: Es gab zwar wahnsinnig viele Schnittmuster, „aber die wenigsten Kleidungsstücke waren wirklich cool und modern“. Und oft brauchten man etwas, von dem man als Mutter zweier Kinder viel zu wenig hat: Zeit.

Also entwarf die Kommunikationswissenschaftlerin einfach ihre eigene Mode zum Selbstnähen – und machte sich anderthalb Jahre später damit selbstständig. Online sucht sie kurz darauf nach Frauen, die ihre Schnittmuster zur Probe nähen. Die Resonanz war groß: Heute besteht das Team aus mehr als 40 Frauen. Und diese auch mal persönlich kennen zu lernen – das war der ursprüngliche Gedanke, der zum allerersten Nähcamp geführt hat.

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Nina Verhoeven

Gründerin von hedinaeht.de

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Das allererste Nähcamp im November 2016 war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. In sechs Räumen des DJH Resorts an der Nordseeküste nähen die Teilnehmerinnen all das, wozu sie im Alltag sonst nicht kommen.

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Es gibt kein festes Programm, auch keine Workshops oder ähnliches. Für viele ist es einfach nur schön, in Gemeinschaft zu nähen. Fragen zu können, wenn mal etwas unklar ist. Und Inspiration zu bekommen für die nächsten Näh-Projekte.

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Gemeinsam Spaß haben

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Jugendherberge und Nähcamp – das passt, findet Nina. „Der Slogan Gemeinschaft erleben trifft auch perfekt auf das Nähen in der Gruppe zu“, sagt sie. „Hier wird gelacht, gearbeitet, sich kennen gelernt – es ist einfach eine tolle Atmosphäre.“

Am Ende sind die Frauen so begeistert, dass sie direkt den nächsten Termin buchen. Und auf einmal wird aus der einmaligen Veranstaltung eine ganze Event-Reihe.

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Eine Teilnehmerin der ersten Stunde ist Goldlocken Gina. Die 44-Jährige Goldschmiedin, die ihren Blogger-Namen nach ihrer prachtvollen Frisur gewählt hat, ist im Alltag eher metallische Hintergrundgeräusche gewöhnt. Oder klare Töne, wenn sie mit einem der zwei Chöre unterwegs ist, in denen sie singt. Jetzt aber, beim Nähcamp im DJH Resort, ist das Geräusch der Nähmaschine ihr Soundtrack des Wochenendes.

Andere Geräusche, die dazu kommen: das Klirren der Gläser am Abend. Das Rauschen der Nordsee in der Ferne. Und: das Lachen der anderen Frauen, mit denen Goldlocken-Gina dieses Wochenende verbringt.

„Ich freue mich, dass ich mal all die Leute kennen lerne, denen ich so in den sozialen Medien folge“, sagt sie. Den Strand, der nur wenige Gehminuten entfernt ist, sieht die Duisburgerin am Ende nicht. „Man ist hier einfach so in der Gemeinschaft drin, da will man keinen Moment verpassen.“

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Bollerwagen voller Nähzeug

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Ein halbes Jahr und drei weitere Nähcamp-Termine später in der Jugendherberge Petershagen. Es ist Freitagabend, Anreisetag. Nach und nach rollen die Autos auf das Gelände der Jugendherberge. Manche Frauen kommen alleine, andere in größeren Gruppen. Den Kofferraum randvoll mit Nähmaschinen, Stoffen, kistenweise Zubehör. Alles wird umgeladen in Bollerwagen, dann geht es in den großzügigen Tagungsraum, um den Arbeitsplatz einzurichten. Und das am besten gemütlich, denn: Viele der Frauen werden ihren Näh-Gruppenraum in den nächsten beiden Tagen nur selten verlassen.

Die Vorhaben: ambitioniert. Katharina Hornung zum Beispiel hat sich sechs Kleidungsstücke vorgenommen, für sich und die Kinder.

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Rat-tat-tat. Die Nähmaschine rattert. In Abständen von Millisekunden hämmert die spitze Nadel den Faden zwischen die Fasern. Konzentriert schiebt Katharina den Stoff mit den Fingerspitzen unter dem Nähfuß weiter, die Naht wird immer länger.

Es ist Samstagmittag in der Jugendherberge Petershagen – und Katharina ist bei ihrem dritten Kleidungsstück. Ein Kleid soll es werden, für sie selbst. Als Kind hat sie bereits genäht, dann lange gar nicht, und jetzt, seit etwa acht Jahren, ist es ihr liebstes Hobby. Zuhause hat sie ein eigenes Nähzimmer und einen ganzen Raum für Stoffe. Dort ist sie regelmäßig, jeden Tag ein bis zwei Stunden. „Jetzt will ich endlich mal am Stück nähen, ohne Ablenkungen“, sagt sie lächelnd. „Richtig was schaffen!“

Dafür ist sie mit ihrer Freundin Constanze Knöfel extra mehr als vier Stunden aus Würzburg angereist. „Aber das hat sich gelohnt: Das Nähcamp macht wahnsinnig viel Spaß“, betont die 34-Jährige. Es ist ihr erstes freies Wochenende seit acht Jahren.

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Die Constanze Knöfel hat in ihrem Kleiderschrank überwiegend selbstgenähte Klamotten. „Ich finde es gut, dass man sich seine eigene Kleidung herstellen kann. Das sind echte Einzelstücke, die sonst niemand hat“, sagt die 36-Jährige. Gerade trägt sie ein blaues Shirt mit weißen Punkten – maßgeschneidert von ihr selbst.

Nur ihre Kinder, die wollen keine Unikate: Sie tragen gerne dasselbe. Für die Zwillinge muss Constanze das gleiche Teil oft doppelt nähen.

Die Zwillinge sind es auch, worüber sich Constanze und Katharina kennen gelernt haben. Mittlerweile sind sie durch das Nähen so gute Freundinnen geworden, dass sie problemlos das ganze Wochenende miteinander verbringen können – inklusive Zimmer in der Jugendherberge, das sie sich teilen.

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Für manche ist das Nähen nur ein Hobby, für andere Geschäftsmodell. Und für Rabea Ebermann? Ist es ihr Versuch, weniger Kleidung zu kaufen und bewusster zu konsumieren. Sie näht aus Überzeugung selbst.

Auf ihren Shirts auch mal Prints wie „Save the planet“, wie man auf ihrem Blog Rabeerchen sehen kann. Dort teilt die Hannoveranerin ihre Begeisterung fürs Nähen.

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Rabea Ebermann

Bloggt und näht unter www.rabeerchen.de

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„Zuerst habe ich genäht im Studium, um etwas anderes zu machen, etwas Kreatives“, erinnert sie sich. „Und mittlerweile ist der Grund eher, dass ich die Fashion-Industrie nicht unterstützen will. Wenn ich es selber mache, dann weiß ich, wer es genäht hat und wo der Stoff herkommt.“

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Nonstop nähen – das geht im Nähcamp der Jugendherbergen. Regine Peters findet das besonders gut. „Zuhause ist immer irgendetwas“, sagt sie. „Hier kann ich mich voll und ganz darauf konzentrieren.“ Dabei näht sie schon seit ihrem sechsten Lebensjahr. Langweilig ist es ihr aber nie geworden.  

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Regina Peters

Bekam ihre erste Nähmaschine mit 6 Jahren und hat sie immer noch.

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„Wenn man mit so vielen tollen Frauen seinem Hobby nachgehen kann, erlebt man das Nähen nochmal ganz neu!“

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Ein echtes Highlight der Nähcamps sind die Goodie Bags. Jede Teilnehmerin bekommt ihre eigene Tasche gefüllt mit Stoffen, kleinen Manufakturwaren und hilfreichem Nähzubehör. Die Produkte werden von Sponsoren zur Verfügung gestellt und sorgen jedes Mal für große Augen und strahlende Gesichter.

Unter anderem mit dabei sind: ALBStoffe, alles-fuer-selbermacher.de, hamburger liebe, byGraziela, Glücksmarie, Snaply Nähkram und jolijou.

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Impressum

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Das Nähcamp ist ein Projekt vom:
 Deutschen Jugendherbergswerk
 hedinaeht.de

Fotos: Björn Reschabek / Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland
www.djhnw.de 

Videos: Stefan Harms / Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland
www.djhnw.de




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